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Die Geschichte der Burg

 

Schulanlage Burg

- Anno 1907 wurde das alte Schulhaus Burg von 5 Lehrern und 156 Schülern bezogen.

- Im Herbst 1997 und 90 Jahre später wurden die mittlerweile 7 Gebäude nach einer umfassenden Sanierung eingeweiht!

Bau der Schulanlage Burg

1898 erachteten Behörden, Schulpflege und Lehrerschaft einen Schulhausneubau mit fünf Lehrsälen, einem Physiksaal, einem Zeichnungssaal und einer Lehrerwohnung (im Schulhaus) als dringend nötig, weil die damaligen Lokalitäten den Anforderungen nicht mehr genügten und auch eine Trennung der zweiten Klasse sich aufdränge. Nach der Abklärung der Frage des Bauplatzes wurde als Standort «das Land der Brauerei Brodbeck auf dem Plateau neben dem Holderstöckli» gewählt. Gemäss dem Kostenvoranschlag des Regierungsrates beliefen sich die Gesamtkosten, eingeschlossen 120 Aren Bauland für 16000 Franken, die Umgebungsarbeiten und der Ankauf von neuem Mobiliar auf 130000 Franken. Nach der damals geltenden gesetzlichen Regelung, dem Landratsbeschluss betreffend das Finanzreferendum vom 4. April 1892, musste eine solche Summe dem Finanzreferendum unterstellt werden. Weil die landrätliche Kommission befürchtete, das Baselbietervolk würde in der Volksabstimmung einem solchen Begehren die Zusage verweigern, wurde der Regierungsrat beauftragt, ein billigeres Projekt vorzulegen. Das reduzierte Projekt - unter Verzicht auf den Ausbau des Dachstocks und mit einem Beitrag der Schulortsgemeinde von 11000 Franken - kam auf 100000 Franken zu stehen. Damit war der Landrat einverstanden, und es konnte gebaut werden. Am 3. Oktober 1907 wurde das Schulhaus auf Burg von 156 Schülern und fünf Lehrern bezogen. Es war so konzipiert, dass sich eine spätere Erweiterung gegen Südosten realisieren liess.

Schulhaus Burg 1907

Die Schüler besassen nun einen weiten Pausenplatz, der aber zugleich als Turnplatz dienen musste. Die Turngeräte, Klettergerüst, Stemmbalken, Barren und Reckstangen, wurden neben dem Pausenplatz fest montiert. Auf die verlangte Turnhalle mussten die Schüler und Lehrer noch weitere 50 Jahre warten! Die mit Können angelegte Gartenanlage, welche das Schulareal gegen die Seltisbergerstrasse abschloss, ergab ein willkommenes Anschauungsobjekt für den Naturkundeunterricht. Ab 1908 musste die Gemeinde Liestal das Schulhaus nicht mehr heizen und reinigen. Diese Aufgabe übernahm nun der Staat, wofür ihm die Gemeinde jährlich 1000 Franken bezahlen musste. Aus Spargründen waren weder eine Abwartswohnung noch eine Lehrerwohnung eingebaut worden, was eher nachteilige Folgen hatte. Obwohl nicht eigentliche Vandalenakte verübt wurden, mussten doch hin und wieder Fensterscheiben dran glauben.

Von einer Einweihungsfeier wollte der Regierungsrat nichts wissen. Anlässlich des Übergabeaktes hielt Rektor Wirth beim alten Schulhaus eine Ansprache, während sich der Erziehungsdirektor beim neuen Schulhaus auf einige Worte beschränkte. Anschliessend begaben sich Schüler und Lehrer auf einen Spaziergang über die Sichtern nach St. Pantaleon, doch zwang der einsetzende Regen dazu, die Übung abzubrechen.

1909 gelang es dem Staat, das östlich vom Bezirksschulgebäude gelegene Ackerland zu erwerben. Dies sollte sich bei der späteren Erweiterung des Schulareals als besonders wertvoll erweisen.

Die neuen Realschulbauten auf der Burg

Das neue Schulgesetz vom 13. Juni 1946 sah vor, die Mittelschulen im Kanton zu vereinheitlichen. Die Bezirks- und Sekundarschulen wurden zu Realschulen umbenannt. Sie galten jetzt als Staatsschulen und sollten an die fünfte, nicht wie bisher an die sechste Primarschulklasse anschliessen. Damit nahm die Bezirksschule im Frühjahr 1947 ihren früheren Namen wieder an, den sie 111 Jahre zuvor hatte aufgeben müssen.

1949 wurden die Knaben- und die Mädchenrealschule, die letztere blieb vorerst noch im Rotackerschulhaus und damit von der Knabenrealschule räumlich getrennt, um ein viertes Schuljahr erweitert. Nach dem neuen Gesetz hatte sich der Schulort um die Bauten der Realschule zu kümmern. Weil sich aber die Baupläne nicht rasch genug verwirklichen liessen, erstellte die Gemeinde Liestal für die Knabenrealschule auf der Burg einen Schulpavillon aus Durisol mit zwei Zimmern. Der Mädchenrealschule im Rotacker mussten von der Primarschule zwei Zimmer abgetreten werden. Am 15. Juli 1949 konnte die Gemeinde Liestal das Schulareal auf der Burg durch den Ankauf einer privaten Liegenschaft erweitern, die von der Kasernenstrasse bis zum Holderstöckli reichte. Erst dadurch war die Schaffung einer zentralen Realschule auf der Burg möglich. Die vom Präsidenten der Realschulpflege, Dr. H. Stöcklin, geleitete Kommission für Schulbaufragen schlug im September 1950 in ihrem Bericht über den Raumbedarf der betroffenen Schulen unter anderem vor, das Rotackerschulhaus der Primar- und der Sekundarschule zu überlassen und die beiden Abteilungen der Realschule auf der Burg im bestehenden Gebäude und in Neubauten unterzubringen. Ohne die Weitsicht bei der früheren Planung wäre die Unterbringung aller Mittelschulabteilungen des Realschulkreises Liestal an einem leicht zugänglichen, zentralen Ort nicht möglich gewesen.

Nachdem die Erziehungsdirektion und die Gemeindeversammlung den Vorschlag gebilligt und letztere einen Kredit von 30000 Franken für einen Projektwettbewerb bewilligt hatten, konnte Ende August 1952 das vom Gemeinderat bestellte Preisgericht den Wettbewerb ausschreiben.

Schon am 9. April 1953 beantragte die Jury, die eigentlichen Schulgebäude durch das Architekturbüro Zimmer, Birsfelden, und die Turnhalle durch Architekt U. Huggel, Münchenstein, projektieren zu lassen.

Die Gemeindeversammlung vom 25. April 1953 genehmigte die generellen Pläne für den Bau der Realschule auf der Burg, den Pavillon für die Hauswirtschaftsschule und einer Turnhalle an der Kasernenstrasse, beauftragte aber den Gemeinderat, das Raumprogramm durch die Fachkommission für Schulbaufragen nochmals überarbeiten zu lassen.

Die vom Gemeinderat gewählte Schulbaukommission, in der die Realschulpflege und die Lehrerschaft mit je zwei Sitzen vertreten waren, begann ihre Arbeit im Oktober 1953. Sie kam mit der Kommission für Schulbaufragen zum Schluss, dass die vorgesehene Aula 300 Schülern Platz bieten sollte und, weil die Nachbarn von einer Landabtretung nichts wissen wollten, die Aula separat an der Südostecke des Grundstücks zu bauen sei. Ferner zeigte sich, dass beim Bau der Turnhalle mit im Verhältnis zum Raumgewinn verantwortbaren Kosten eine Athletikhalle im Untergeschoss erstellt werden könnte. Sodann ergab eine Prüfung, dass die Umbaukosten des bestehenden Bezirksschulgebäudes nicht wie ursprünglich angenommen mit 160000 Franken, sondern mit dem doppelten Betrag veranschlagt werden mussten. Damit führten die erweiterten Projekte zu einem Kostenvoranschlag von 4,2 Millionen Franken (!), einer Ausgabe, wie sie eine Liestaler Gemeindeversammlung noch niemals zu beschliessen gehabt hatte. An der Gemeindeversammlung erklärte der Gemeinderat, es sei einerseits bedauerlich, dass auch dieses bedeutendste Realschulhausprojekt im Kanton Baselland in eine Zeit der Vollbeschäftigung falle, dass aber anderseits die Raumnot der Realschule so prekär sei, dass ein weiterer Aufschub verhängnisvoll und nicht zu verantworten sei.

In den ersten Oktobertagen des Jahres 1958 weihte die Liestaler Jugend mit einem Jugendfest die Schulanlagen auf der Burg ein. Den Auftakt bildete am Freitagabend ein Fackel- und Laternenumzug mit einer Vielfalt von in wochenlanger Arbeit selbst geschaffenen Papierlaternen zu unterschiedlichen aktuellen Themen. Der Schlussakt fand auf dem Gitterli statt, wobei ein Schülerchor sang und ein Sprechchor in Versform vortrug, wie die Realschulhäuser entstanden waren und welchem Sinn und Zweck sie zu dienen hätten. Während die Mädchen und Buben sich am Samstagvormittag in sportlichen Wettkämpfen massen, versammelten sich die geladenen Gäste auf dem Pausenplatz auf der Burg und besichtigten die Schulgebäude.


Schulanlage Burg 1958

An der offiziellen Feier sprach der Präsident der Baukommission, Gemeinderat F. Dettwiler. Er dankte dem Kanton und der Gemeinde wie auch der ganzen Bevölkerung für die grosszügige Lösung der Schulhausbauten, besonders aber auch Rektor E. Laubscher, der sich um die Schule verdient gemacht hatte und der ein wertvolles Bindeglied war zwischen Schule und Bauherrschaft. Architekt Zimmer wünschte, die Schule möge eine Burg, eine geistige Heimat und eine Zuflucht für die Jugend sein. lm Namen der Gemeindebehörde übernahm Gemeindepräsident Brodbeck die Verantwortung für die Bauten. Abschliessend richtete Regierungspräsident Dr. E. Börlin einige besinnliche Worte an die Festgemeinde. Er mahnte, nicht zu hoch bauen zu wollen, sondern eine solide Grundlage zu schaffen für das Wissen, für den Charakter und die geistige Einstellung. Ein gemeinsames, von der Gemeinde gestiftetes Mittagessen im Hotel Engel schloss die eindrucksvolle Feier ab.

Renovation der Schulanlage 1993 - 1997

Die Schulanlage Burg umfasst neben dem alten Bezirksschulhaus, das 1905 und 1906 erbaut wurde, eine ganze Gruppe von Gebäuden aus den fünfziger Jahren. Während die Strukturen aus dieser Zeit fast vollständig intakt geblieben sind, hat das Bezirksschulhaus durch die Aufstockung anlässlich der Erweiterung der Schulanlage stark gelitten. Der eigenständige Charakter des Bezirksschulhauses wäre nur um den Preis einer Entfernung der Aufstockung wieder zu haben gewesen. Die Qualitäten der Bauten aus den fünfziger Jahren wurden erst in neuester Zeit wieder erkannt. Man hat also versucht, diesen Baustil in der gesamten Anlage hervorzuheben und die zeittypischen Mängel im Energiehaushalt dieser Gebäude zu beheben. Dem Bezirksschulhaus versuchte man einen neuen, zu den übrigen Anlageteilen passenden Charakter zu geben.

Von Anfang an stand das Ziel der energietechnischen Sanierung im Zentrum. Die Voruntersuchungen hatten gezeigt, dass in der gesamten Anlage zirka 50% und in den Klassentrakten, die zu bearbeiten waren, 40 bis 60% Energie eingespart werden kann. Das entspricht immerhin dem Heizwert von 32 Tonnen Heizöl. Mit der energietechnischen Zielsetzung standen Fassaden- und Dachisolationen und die Fenster im Vordergrund, Elemente also, die für das Erscheinungsbild der Gebäude entscheidend sind.

Bei allen Gebäuden wurden Aussenisolationen angebracht. Damit konnten die Kältebrücken zu einem grossen Teil auf eine einfache Weise eliminiert werden. Die alten Metallfenster wurden durch isolierverglaste Holz-Metallfenster ersetzt, die das Erscheinungsbild in der Fassade bewahren, im Gebäudeinnern aber die Wärme des Holzes zeigen. Besondere Probleme stellte der Ersatz der Fenster im Treppenhaus des Knabentrakts. Es gelang schliesslich, mit wärmedämmenden Fenstern die schachbrettartige Glas- und Betonfassade auf der Westseite in ihrem stilistischen Ausdruck zu erhalten. Bei den Fenstern des alten Bezirksschulhauses wurde auf die Steinfriesen in den ursprünglichen Vollgeschossen verzichtet. Indem die Fenstereinfassungen der Aufstockung angeglichen wurden, erhielt das gesamte Gebäude einen Ausdruck, der sich den Bauten in der Umgebung anpasst.

Die Normalklassenzimmer in allen Gebäuden wurden den heutigen Erfordernissen angepasst. Die alte und wenig behagliche Deckenheizung wurde durch eine Radiatorenheizung ersetzt. Um den Charakter der Räume zu bewahren und gleichzeitig gute Schallverhältnisse zu erhalten, wurde die Deckenisolation mit gelochten Metallplatten verkleidet. Alle Zimmer erhielten mobile Projektionswände, Wandschränke, Steckwände und grosszügige Abstellflächen.

Im Erdgeschoss des Knabentrakts (Gebäude K) wurde die Raumstruktur stark verändert. Es entstanden ein neues Rektorat, ein Sekretariat und neue Arbeitsräume für die Lehrerinnen und Lehrer. Auch der Bibliothek wurde ein Arbeitsraum zugesellt. Im Bezirksschulhaus (Gebäude M) entstanden mehrere Gruppenarbeitsräume. Zur grössten Veränderung kam es im Obergeschoss, wo ein zweiter lichtdurchfluteter Zeichensaal mit Nebenräumen entstand. Eine neue Treppe führt aus diesem Stockwerk ins Dach. Im Gymnasialtrakt (Gebäude G) entstanden im Untergeschoss moderne Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht und ein Medienzimmer. Alle diese Räume wurden grosszügig mit Schränken und Schaukästen ausgestattet.

Der frühere Mädchenpavillon wurde zu einem Musikschulzentrum umgebaut. Unterrichtsräume für Gruppen- und Einzelunterricht mussten so schallisoliert werden, dass auf relativ engem Raum sehr intensiv Instrumentalunterricht erteilt werden kann.

Eine besondere Herausforderung war die konsequente Umsetzung der baubiologischen Grundsätze. Neuland wurde bei der Abklärung und Abschirmung der Radonstrahlung betreten. Die Umgebung wurde nach ökologischen Grundsätzen teilweise neu gestaltet. Im Aussenraum entstanden neue, interessante Möglichkeiten für die Benutzerinnen und Benutzer der Schulanlage.

 

 

 

 

 

 

 

 

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